Forschung

Demokratieförderung ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil außen- und entwicklungspolitischer Agenden – von der vielkritisierten „Freedom Agenda“ der US-amerikanischen Bush-Administration (2001–2009), die Demokratieförderung mit Regimewechsel durch militärische Mittel assoziierte, bis zu den friedlichen Demokratisierungsbewegungen im Kontext des Arabischen Frühlings (2010–2012). Beide Episoden haben gezeigt, wie kontrovers die Frage ist, was externe Akteure tun können und sollen – und wo die Grenzen und Widersprüche einer solchen Einflussnahme auf die innere Ordnung anderer Staaten liegen. Heute hat sich der Schwerpunkt verschoben: Angesichts einer globalen Welle der Autokratisierung, zunehmend eingeschränkter zivilgesellschaftlicher Handlungsräume und neuer geopolitischer Konkurrenz um politische Systeme stehen Schutz und Förderung von Demokratie gemeinsam im Vordergrund. Im Mittelpunkt der Arbeit des EDP-Netzwerks steht die fachliche Auseinandersetzung mit dieser Bandbreite an Fragestellungen zu Grundlagen und Praxis des internationalen Schutzes und der Förderung von Demokratie. Unsere Expertise umfasst Akteure, Strategien, Prozesse und Instrumente ebenso wie die jeweils spezifischen Bedingungen und Faktoren in unterschiedlichen Weltregionen.

Unser aktuelles Forschungsprogramm: Konzeptionierung und Theoretisierung der internationalen Demokratieförderung in Zeiten globaler Autokratisierung

Die Frage, wie sich Demokratie angesichts fortschreitender Erosion von Demokratien weltweit vor Abbau schützen lässt, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das neue Forschungsprogramm des EDP-Netzwerks widmet sich dieser Herausforderung. Ziel ist es, zu verstehen, wie die folgenden drei Autokratisierungsdimensionen internationale Demokratieförderung beeinflussen und wie sie miteinander verknüpft sind:

  1. (1) Autokratisierung in Empfängerländern beeinflusst die Ziele, Strategien, Ressourcen und die potenzielle Wirkung von Demokratieförderung und -schutz.
  2. (2) Aktuelle Autokratisierungstrends wirken sich auf demokratische Länder aus, die als Geber von Demokratieförderung auftreten, insbesondere die Vereinigten Staaten und die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU).
  3. (3) Autokratisierung verändert den globalen Kontext, in dem Demokratieförderung stattfindet. Sie stellt die materiellen Einflussmöglichkeiten und die normativen Grundlagen internationaler Demokratieförderung infrage und verändert diese.

Das wesentliche Ziel des EDP-Netzwerks ist es daher, eine multiperspektivische Theorie über die Auswirkungen von Autokratisierung auf internationale Demokratieförderung zu entwickeln. Einerseits will das Netzwerk damit einen umfassenden Beitrag zur Theoretisierung der Demokratieförderung leisten. Andererseits setzt es seine Ergebnisse in umsetzbare politische Empfehlungen um.

 

 

Frühere Forschungsaktivitäten

Demokratieförderung als Interaktion

  • 2025. Organisation des Workshops „International Democracy Promotion at Times of Global Autocratisation.” An der Universität St. Gallen (HSG) in St. Gallen.
  • 2019. Publikation der Sonderausgabe „The Negoziation of Democracy Promotion. Issues, Parameters and Consequences“ in der Zeitschrift Democratization (Vol. 26, No. 5).
  • 2017. Organisation des Workshops „’Whither the End of the Liberal Order.’ Do Societal Values Influence the Effectiveness of Democracy Support?” am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn.
  • 2016. Organisation des Workshops „Democracy Promotion as Interaction: Rethinking the External-Internal Interplay in International Relations“ in der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt am Main.
  • 2015. Organisation des Expertenworkshops „Interaction between Internal and External Actors in Democracy Promotion“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn.
    “Critical Junctures” und die Förderung demokratischer Prozesse
  • 2015. Organisation des Panels „How do They Deal with Critical Junctures? External and Domestic Actors in Times of Crisis” im Rahmen der Jahrskonferenz der International Studies Association (ISA) in New Orleans.
  • 2013. Organisation des Panels „Critical Junctures in Democracy Promotion” im Rahmen der Generalkonferenz des European Consortium for Political Research (ECPR) in Bordeaux.
  • 2012. Publikation der Sonderausgabe „Do all Good Things Go Together? Conflicting Objectives in Democracy Promotion“ in der Zeitschrift Democratization (Vol. 19, No. 3); nachgedruckt als Special Issue Book bei Routledge.

Herausforderungen in der Demokratieförderung

  • 2025. Publikation der Sonderausgabe „Democracy Promotion in Times of Autocratization“ in der Zeitschrift Democratization (Vol. 37, No. 7).
  • 2019. Organisation des Workshops „Why to Fight Against Dictatorship at High Personal Costs? Studying Political Activism and its Leadership in Autocracies” in der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt am Main.
  • 2012. Organisation des Panels „Global Challenges in Democracy Promotion: The Actors” und des Panels “Global Challenges in Democracy Promotion: The Issues” im Rahmen der gemeinsamen Konferenz der British International Studies Association (BISA) und der International Studies Association (ISA) in Edinburgh.
  • 2011. Organisation des Panels „Religious Actors in Democratization Consolidation: Evidence from the Five Muslim Democracies“ im Rahmen der Jahreskonferenz der American Political Science Association (APSA) in Seattle.

Zielkonflikte in der Demokratieförderung

  • 2011. Organisation eines Autorenworkshops in Zürich, finanziert durch den Schweizerischen Nationalfonds und den NCCR Democracy. Mehr dazu im Newsletter  9 (2011) des NCCR Democracy (S. 16-17).
  • 2010. Organisation der Sektion 13 „Challenges of Democracy Promotion: Do All Good Things Go Together?” mit 7 Panels im Rahmen der Konferenz der Standing Group International Relations in Stockholm.