Forschung

Besondere Prominenz hat das Thema der externen Demokratieförderung im Rahmen der vom ehemaligen US-Präsidenten Bush verfolgten und viel kritisierten „Freedom Agenda“ erhalten. Vor allem der durch Präsident Bushs Politik vermittelte Eindruck, Demokratieförderung sei eine Politik des Regimewechsels durch militärische Mittel, hat zu Widerständen und Kontroversen geführt. Im Kontext des Arabischen Frühlings hat allerdings auch der Bereich friedlicher Demokratieförderaktivitäten durch Entwicklungszusammenarbeit und diplomatische Mittel neue öffentliche Aufmerksamkeit erhalten – sowohl im Hinblick darauf, was externe Akteure tun können und sollen, als auch hinsichtlich der Grenzen und Widersprüche solcher Eingriffe in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten. Im Mittelpunkt der Arbeit unseres Netzwerks steht die fachliche Auseinandersetzung mit einer großen Bandbreite an Fragestellungen mit Blick auf Grundlagen und Praxis der internationalen Demokratieförderung. Unsere Expertise umfasst neben Akteuren, Strategien, Prozessen und Instrumenten der Demokratieförderung auch verschiedene Weltregionen mit ihren jeweils spezifischen Bedingungen und Faktoren.

Zur Zeit konzentrieren sich unsere Aktivitäten und Publikationen auf das zentrale, aber häufig vernachlässigte Feld der Interaktion in der Demokratieförderung. In der Forschung wird internationale Demokratieförderung nach wie vor häufig nach dem Modell einer Einbahnstraße analysiert: Externe Akteure tun etwas, das dann Auswirkungen im Empfängerland hat. Das EDP-Netzwerk hingegen nimmt den Interaktionsprozess, den Demokratieförderung zwangsläufig impliziert, der bisher aber noch nicht systematisch erfasst und analysiert worden ist, ernst. Wir gehen in unserer Arbeit über das unidirektionale Verständnis von „Demokratie-Export“, „Social Engineering“ und „Sozialisierung“ hinaus, welches das Denken von Politiker*innen und Akademiker*innen über Demokratieförderung zu bestimmen scheint. Stattdessen analysieren wir, theoretisch und empirisch, welche Interaktionsprozesse entstehen und wie diese sich auswirken, wenn externe Demokratieförderer auf die „Empfänger“ treffen, die sie versuchen zu beeinflussen.

Unsere Arbeit wird von der Annahme geleitet, dass sowohl die Praktiker*innen als auch die Forscher*innen die gewichtigen Herausforderungen, die in der interaktiven Natur von Demokratieförderung liegen, erst noch anerkennen und verstehen müssen. Diese Herausforderungen haben nicht nur Implikationen für die Art und Weise, wie wir Demokratieförderung analysieren, sie haben auch politische und praktische Relevanz: für das Potential von Demokratieförderung, friedlich durchgeführt und von allen Seiten als legitim und gewinnbringend anerkannt zu werden und dabei möglichst autonomieschonend mit Blick auf die kollektive Selbstbestimmung der „Empfänger“ zu sein.

Das Netzwerk beschäftigt sich also konkret mit der Frage, was genau passiert, wenn Demokratieförderer mit lokalen „Empfängern“ und „Zielgruppen“ – Regierungen, politische Parteien, zivilgesellschaftliche Gruppen etc. – interagieren, die ihrerseits Akteure mit eigenen Interessen und Werten, Handlungsstrategien und -logiken sind: Wie reagieren lokale Akteure auf Demokratieförderer; übernehmen sie die von außen geförderten demokratischen Normen oder widersetzen sie sich diesen; wie wird „Demokratiehilfe „angeeignet“ oder umgeleitet? Wie verhalten sich auf der anderen Seite die Demokratieförderer selbst, wenn ihre politischen Vorstellungen vor Ort in Frage gestellt oder sogar transformiert werden? Welche Dynamiken der Interaktion entstehen, und was sind die Folgen sowohl für Typus und Zustand der Demokratie in Empfängerländern als auch für die Ausgestaltung der externen Demokratieförderung? Mit der theoretischen und empirischen Untersuchung dieser Interaktionsprozesse leistet das Netzwerk wichtige Beiträge zu Forschung und Praxis der Demokratieförderung.

Aktuelle und frühere Forschungsvorhaben

Demokratieförderung als Interaktion

  • Bevorstehend 2016: Organisation einer Sektion bei der 10. Pan-European Conference on International Relations (EISA), 7.-9. September  2016, in Izmir, Türkei. Die Sektion “Democracy Promotion as Interaction: rethinking the external-internal interplay in international relations” umfasst 6 Panels.
  • 2015. Organisation des Expertenworkshops „Interaction between Internal and External Actors in Democracy Promotion“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn.
  • 2011. Organisation des Panels „Implementing Democracy from the Outside“ an der gemeinsamen Konferenz der International Political Science Association (IPSA) und European Consortium for Political Research (ECPR) in Sao Paolo.

“Critical Junctures” und die Förderung demokratischer Prozesse

  • 2015. Organisation des Panels „How do They Deal with Critical Junctures? External and Domestic Actors in Times of Crisis” im Rahmen der Jahrskonferenz der International Studies Association (ISA) in New Orleans.
  • 2013. Organisation des Panels „Critical Junctures in Democracy Promotion” im Rahmen der Generalkonferenz des European Consortium for Political Research (ECPR) in Bordeaux.

Challenges in Democracy Promotion

  • 2012. Organisation des Panels “Global Challenges in Democracy Promotion: The Actors” und des Panels “Global Challenges in Democracy Promotion: The Issues” im Rahmen der gemeinsamen Konferenz der British International Studies Association (BISA) und der International Studies Association (ISA) in Edinburgh.
  • 2011. Organisation des Panels „Religious Actors in Democratization Consolidation: Evidence from the Five Muslim Democracies“ im Rahmen der Jahreskonferenz der American Political Science Association (APSA) in Seattle.
  • 2010. Organisation des Panels “A Historic Turn in Democracy Promotion? What to make of Recent Experiences” im Rahmen der Jahreskonferenz der International Studies Association (ISA) in New Orleans.

Zielkonflikte in der Demokratieförderung

  • 2012. Publikation der Sonderausgabe „Do all Good Things Go Together? Conflicting Objectives in Democracy Promotion“ in der Zeitschrift Democratization (Vol. 19, No. 3); nachgedruckt als Special Issue Book bei Routledge.
  • 2011. Organisation eines Autorenworkshops in Zürich, finanziert durch den Schweizerischen Nationalfonds und den NCCR Democracy. Mehr dazu im Newsletter  9 (2011) des NCCR Democracy (S. 16-17).
  • 2010. Organisation der Sektion 13 „Challenges of Democracy Promotion: Do All Good Things Go Together?” mit 7 Panels im Rahmen der Konferenz der Standing Group International Relations in Stockholm.